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26.11.2008
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Kommunikation mit den Fingerspitzen

Eine gesprächsanalytische Untersuchung von Schülerhomepages

 Jörg Dieter, 2002


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Einleitung

Das Medium Internet ist noch relativ jung. Konventionen für seine Benutzung bilden sich langsam heraus, haben sich aber noch nicht verfestigt. In die Schule geht nun die erste Generation von Kindern und Jugendlichen, die mit dem Computer aufgewachsen sind. Aus diesem Grund ist es interessant, einmal nachzuforschen, wie Schüler als Produzenten mit dem neuen Medium umgehen.

Bei dieser Untersuchung sollen vor allem vier Aspekte im Vordergrund stehen:

  • Gibt es bereits Konventionen, die sich bei der Gestaltung von Internetseiten durch Schüler herausgebildet haben?
  • Welche Stärken und Schwächen zeigen die Schüler im Umgang mit den medialen Besonderheiten des Internets?
  • Lassen sich aus den Internetseiten der Schüler Rückschlüsse auf ihr kommunikatives Ziel ziehen?
  • Lässt sich ein Einfluss der Institution Schule auf die Internetseiten der Schüler erkennen?

Die Antworten auf diese Fragen können wichtige Hinweise auf die weitere Entwicklung des Mediums geben und außerdem darauf, welche Hilfestellung die Schule den Schülern im Umgang mit dem neuen Medium geben kann, um eventuell vorhandene Defizite auszugleichen.

Um Antworten auf die obigen Fragen zu finden, sollen Schülerhomepages untersucht werden. Schülerhomepages unterscheiden sich dadurch von den Homepages von Kindern und Jugendlichen, dass sie im Kontext der Institution Schule entstanden sind oder in ihrem Umfeld, z.B. auf der Homepage einer Schule veröffentlicht werden. Die Kinder und Jugendlichen treten hier also in ihrer durch die Institution geprägten Rolle als Schüler auf. Schülerhomepages werden oft in Verbindung mit AGs oder Projekten, aber auch im regulären Unterricht erstellt. Mitunter wird die Arbeit an ihnen von den Schülern auch nach Abschluss des schulischen Projektes in der Freizeit fortgesetzt. Während es bei der Gestaltung von Projektdokumentationen und für das Internet aufbereiteten Referaten in der Regel viele Vorgaben durch den Lehrer gibt, genießen die Schüler bei der Gestaltung von Schülerhomepages einen gewissen Freiraum. An Schülerhomepages lässt sich aus diesem Grund der Umgang der Schüler mit dem neuen Medium besser untersuchen.

Die Schülerhomepages sollen mit den Mitteln der Gesprächsanalyse untersucht werden. Dabei mag es zunächst seltsam anmuten, Internetseiten mit diesem Instrumentarium zu Leibe zu rücken, hat man es dabei doch mit einem Konglomerat von Texten, Bildern und multimedialen Elementen zu tun. Wären hier also nicht Methoden der Textlinguistik viel eher angebracht?

Dieser Weg wäre natürlich auch gangbar, aber es spricht einiges dafür, es gerade bei der Untersuchung von Homepages einmal mit den Mitteln der Gesprächsanalyse zu versuchen. Zum einen hat Ulrich Schmitz in seinem Aufsatz „Zur Sprache im Internet. Skizze einiger Eigenschaften und Probleme bereits gezeigt, dass es überaus fruchtbar sein kann, die Vorgänge, die bei der Nutzung des interaktiven Mediums Internet zwischen Nutzer und Computer ablaufen als Gespräch zu deuten. Zum anderen wird es einfacher eine anthropologische Verfremdung herbeizuführen, wenn man versucht, die Homepages der Schüler nicht einfach als Texte zu sehen und zu interpretieren, sondern den ungewohnten Weg geht, die kommunikativen Prozesse zu untersuchen, die bei der Interaktion mit diesen Internetseiten stattfinden. Dies erlaubt es auch jemandem, der bereits Schüler beim Erstellen von Internetseiten angeleitet und sich ausführlich mit den medialen Eigenheiten des Internets beschäftigt hat, eine Position ethnomethodologischer Indifferenz einzunehmen. So kann verhindert werden, dass das eigene, vorrauseilende Urteil den Blick verstellt auf das, was es tatsächlich zu sehen gibt.

Zunächst soll die Kommunikation zwischen Internetnutzer und Schülerhomepage theoretisch durchleuchtet werden. Auf Grund dieser theoretischen Durchdringung werden dann die Kategorien für eine empirische Untersuchung festgelegt. Diese Kategorien werden auf ein Korpus von 20 Schülerhomepages angewandt und schließlich wird, vor dem Hintergrund der oben aufgeworfenen Fragestellung, eine Deutung der Untersuchungsergebnisse versucht.

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